Kindesunterhalt

Barunterhalt

Bereits für den Monat des Auszuges einer der Eheleute aus der gemeinsamen Wohnung wandelt sich der Unterhaltsanspruch vom so genannten „Naturalunterhalt“ zum „Barunterhalt“.

D.h. der Unterhaltsberechtigte hat einen Anspruch auf Zahlung eines Unterhaltsbetrages und kann nicht darauf verwiesen werden, Unterhaltsleistungen in Form von Naturalien, Mietzinszahlungen oder ähnlichem anzunehmen.

minderjährige Kinder

Beide getrennt lebenden Eltern habe Unterhalt für ihre Kinder zu leisten. In der Regel betreut ein Elternteil die Kinder überwiegend und leistet damit seinen Teil am Unterhalt. Der andere Elternteil ist dann zu Barunterhalt verpflichtet.

Da das minderjährige Kind, das noch keine eigene Lebensstellung inne hat, leitet seinen Bedarf auf Kindesunterhalt von der Lebensstellung des Barunterhaltsverpflichteten ab.
Das heißt: ein Kind, welches einen „wohlhabenden Vater“ hat, hat einen höheren Unterhaltsanspruch, als das eines „weniger wohlhabenden“ Vaters.
Bei dieser Unterhaltsberechnung für minderjährige Kinder zählt im Wesentlichen nur das Einkommen des Vaters, nicht dessen Vermögen.

In der sogenannten „Düsseldorfer Tabelle“ kann man die Bedarfssätze für den Kindesunterhalt entnehmen. Die derzeitige Düsseldorfer Tabelle ist gültig für den Zeitraum ab 01. 01.2017.

Im der Regel werden die Tabellenwerte alle 2 Jahre angepasst.

Die Sätze für den Kindesunterhalt wurden ab 2010 deutlich angehoben. Danach erfolgten nur noch mäßige Anpassungen.

Die aktuelle Tabelle geht von Unterhaltsverpflichtungen gegenüber zwei Unterhaltsberechtigten aus. Eine Herabstufung in der Tabelle kommt somit schon bei drei Unterhaltsberechtigten, eine Höherstufung bei einem Unterhaltsberechtigten in Betracht.

Bei der Anwendung der Tabelle sollte man sich jedoch über folgendes im Klaren sein:

Wird in der Tabelle vom „Nettoeinkommendes Barunterhaltverpflichteten“ gesprochen, so ist dies nicht gleichzusetzten mit dem „steuerlichen Nettoeinkommen“, welches auf der Lohnabrechnung ausgeworfen wird, oder gar dem Auszahlungsbetrag auf derselben.

Zu berechnen ist zunächst das unterhaltsrechtlich relevante Nettoeinkommen, bereinigt um z.B. berufsbedingte Aufwendungen, Fahrten zur und von der Arbeitsstätte, berücksichtigungsfähiger Kreditraten und so weiter.
Auch werden sonstige Einkünfte wie zum Beispiel Eigenheimzulage oder Zinseinkünfte und mögliche Einkommenssteuerrückerstattungen auf den Monat umgelegt und dann erst in die Tabelle eingepreist.

Auch ist zu berücksichtigen, wer das staatliche Kindergeld erhält.

Haben Sie als Berechtigter einen Kindesunterhalt errechnet, muss dieser auch gegenüber dem Unterhaltsverpflichteten „in Verzug gesetzt“ werden. Das ist notwendig, um auch für den Fall, dass nicht gezahlt wird zurückliegende Zeiträume im Nachhinein geltend machen zu können.

Es ist also festzuhalten, dass getrennt lebende Eltern zwar mit der „Düsseldorfer Tabelle“ einen guten Anhaltspunkt für den zu leistenden Kindesunterhalt haben, die konkrete Berechnung aber ein guter Anlass ist, sich beim Fachanwalt für Familienrecht einmal die gesamte Situation erläutern zu lassen.

Jugendamtsurkunde

Der Kindesunterhalt für Kinder bis zum 21 Lebensjahr kann über eine Jugendamtsurkunde „tituliert“ werden.

1. Vorteil für den Unterhaltsberechtigten
Mit dieser Urkunde kann, wie auch aus gerichtlichen Vergleichen oder Urteilen, die Zwangsvollstreckung erfolgen. D.h. zahlt der Unterhaltsverpflichtete nicht, kann auf Grund dieser Urkunde der Gerichtsvollzieher losgeschickt, oder Gehalt gepfändet werden.

2. Vorteil für den Unterhaltverpflichteten
Die Urkunde wird kostenlos erstellt!