Kindesunterhalt

Barunterhalt

Bereits für den Monat des Auszuges einer der Eheleute aus der gemeinsamen Wohnung wandelt sich der Unterhaltsanspruch vom so genannten „Naturalunterhalt“ zum „Barunterhalt“.

D.h. der Unterhaltsberechtigte hat einen Anspruch auf Zahlung eines Unterhaltsbetrages und kann nicht darauf verwiesen werden, Unterhaltsleistungen in Form von Naturalien, Mietzinszahlungen oder ähnlichem anzunehmen.

Unterhaltsvorschuss

Um möglichst schnell wirtschaftliche Unterstützung nach Trennung für die Kinder zu erhalten, ist es gegebenen Falls ratsam, einen Antrag auf Unterhaltsvorschuss für minderjährige Kinder zu stellen, wenn der unterhaltsverpflichtete nicht zahlt. 

Kann ich vom Staat Unterhalt für mein Kind bekommen?

Sie sind allein erziehend und der andere Elternteil zahlt keinen Unterhalt? Dann springt der Staat mit einem Vorschuss ein. Bislang war der Unterhaltsvorschuss allerdings Kindern allein erziehender Eltern bis zwölf Jahren vorbehalten. Ab 1. Juli 2017 kann der Vorschuss auch für Teenager bis 18 beantragt werden, wenn ein Elternteil keinen Unterhalt zahlt. Erfahren Sie in diesem Video, was sich mit dem neuen Unterhaltsvorschussgesetz konkret für Sie geändert hat.

minderjährige Kinder

Beide getrennt lebenden Eltern habe Unterhalt für ihre Kinder zu leisten. In der Regel betreut ein Elternteil die Kinder überwiegend und leistet damit seinen Teil am Unterhalt. Der andere Elternteil ist dann zu Barunterhalt verpflichtet.

Da das minderjährige Kind, das noch keine eigene Lebensstellung inne hat, leitet seinen Bedarf auf Kindesunterhalt von der Lebensstellung des Barunterhaltsverpflichteten ab.
Das heißt: ein Kind, welches einen „wohlhabenden Vater“ hat, hat einen höheren Unterhaltsanspruch, als das eines „weniger wohlhabenden“ Vaters.
Bei dieser Unterhaltsberechnung für minderjährige Kinder zählt im Wesentlichen nur das Einkommen des Vaters, nicht dessen Vermögen.In der sogenannten „Düsseldorfer Tabelle“ kann man die Bedarfssätze für den Kindesunterhalt entnehmen. Die derzeitige Düsseldorfer Tabelle ist gültig für den Zeitraum ab 01. 01.2017. Die neue Tabelle mit Stand 01.01.2018 ist bereits veröffentlicht. Die Bedarfssätze der Tabelle werden in der 2. bis 5. Einkommensgruppe um jeweils fünf Prozent und in der 6. bis 10. Gruppe um jeweils acht Prozent des Mindestunterhalts angehoben. Die Sätze für volljährige Trennungskinder bleiben 2018 unverändert.

Erstmals seit zehn Jahren werden auch die Einkommensgruppen angehoben. Die Tabelle beginnt daher ab dem 1. Januar 2018 mit einem bereinigten Nettoeinkommen bis 1900 Euro statt bisher bis 1500 Euro und endet bei 5500 Euro statt bisher bei 5100 Euro. Der ausbildungsbedingte Mehrbedarf erhöht sich von 90 Euro auf 100 Euro.

Im der Regel werden die Tabellenwerte alle 2 Jahre angepasst.

Die Düsseldorfer-Tabelle geht von Unterhaltsverpflichtungen gegenüber zwei Unterhaltsberechtigten aus. Eine Herabstufung in der Tabelle kommt somit schon bei drei Unterhaltsberechtigten, eine Höherstufung bei einem Unterhaltsberechtigten in Betracht.

Bei der Anwendung der Tabelle sollte man sich jedoch über folgendes im Klaren sein:

Wird in der Tabelle vom „Nettoeinkommen des Barunterhaltverpflichteten“ gesprochen, so ist dies nicht gleichzusetzen mit dem „steuerlichen Nettoeinkommen“, welches auf der Lohnabrechnung ausgeworfen wird, oder gar dem Auszahlungsbetrag auf derselben.

Zu berechnen ist zunächst das unterhaltsrechtlich relevante Nettoeinkommen, bereinigt um z.B. berufsbedingte Aufwendungen, Fahrten zur und von der Arbeitsstätte, berücksichtigungsfähiger Kreditraten und so weiter.
Auch werden sonstige Einkünfte wie zum Beispiel Eigenheimzulage oder Zinseinkünfte und mögliche Einkommenssteuerrückerstattungen auf den Monat umgelegt und dann erst in die Tabelle eingepreist.

Auch ist zu berücksichtigen, wer das staatliche Kindergeld erhält.

Haben Sie als Berechtigter einen Kindesunterhalt errechnet, muss dieser auch gegenüber dem Unterhaltsverpflichteten „in Verzug gesetzt“ werden. Das ist notwendig, um auch für den Fall, dass nicht gezahlt wird zurückliegende Zeiträume im Nachhinein geltend machen zu können.

Es ist also festzuhalten, dass getrennt lebende Eltern zwar mit der „Düsseldorfer Tabelle“ einen guten Anhaltspunkt für den zu leistenden Kindesunterhalt haben, die konkrete Berechnung aber ein guter Anlass ist, sich beim Fachanwalt für Familienrecht einmal die gesamte Situation erläutern zu lassen.

Jugendamtsurkunde

Der Kindesunterhalt für Kinder bis zum 21 Lebensjahr kann über eine Jugendamtsurkunde „tituliert“ werden.

1. Vorteil für den Unterhaltsberechtigten
Mit dieser Urkunde kann, wie auch aus gerichtlichen Vergleichen oder Urteilen, die Zwangsvollstreckung erfolgen. D.h. zahlt der Unterhaltsverpflichtete nicht, kann auf Grund dieser Urkunde der Gerichtsvollzieher losgeschickt, oder Gehalt gepfändet werden.

2. Vorteil für den Unterhaltverpflichteten
Die Urkunde wird kostenlos erstellt!